In Erinnerung an Hermann Atz (1953–2026)

Hermann Atz ist in seinen geliebten Bergen ums Leben gekommen. Mit ihm verlieren wir alle einen lieben Freund, Südtirol verliert einen hervorragenden Sozialwissenschaftler, der mit seinem Institut Apollis Pionierarbeit in der Meinungsforschung des Landes geleistet hat. Als Kommentator hat er uns klar und tiefschürfend die politische Welt Südtirols erklärt, in seinen politikwissenschaftlichen Beiträgen und Abhandlungen ihre Zusammenhänge analysiert. 

Hermann war Gründungsmitglied der Michael Gaismair Gesellschaft. Das war 1985. Einer solchen Gesellschaft beizutreten war selbst zu jenen Zeiten nicht gerade selbstverständlich, galt Gaismair doch als revolutionärer Aufwiegler, der die angeblich gottgewollte Ordnung auf den Kopf stellen wollte. Und die Mächtigen im Lande sahen in Gaismair vor 40 Jahren immer noch ein ketzerisches Symbol, das man bekämpfen musste.

Hermanns Beitritt ist Ausdruck seines zivilgesellschaftlichen Engagements, dem er sich nie entzog. Das galt Fragen der politischen Partizipation, dem Umwelt- und Klimaschutz, dem Zusammenleben der Sprachgruppen – alles Themen, mit denen sich auch die Gaismair Gesellschaft auseinandersetzte.

Eine besonders fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Gaismair Gesellschaft und dem Institut Apollis, dem Hermann als Co-Leiter vorstand, ergab sich vor gut zehn Jahren. Gemeinsam mit den Instituten für Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Innsbruck und Apollis führte die Gesellschaft ein von der Südtiroler Landesregierung finanziertes Projekt zum Thema „Ethnische Differenzierung und soziale Schichtung in der Südtiroler Gesellschaft“ durch. Der wissenschaftlichen Steuerungsgruppe gehörten neben Max Haller (Graz), Günther Pallaver (Innsbruck/Bozen), Max Preglau (Innsbruck) und Antonio Scaglia (Trient) auch Hermann Atz an. Als Koordinator trug er wesentlich Verantwortung für das Projekt.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden von den drei Herausgebern Max Haller, Hermann Atz und Günther Pallaver im renommierten Nomos-Verlag 2016 veröffentlicht. Wenn das Projekt so reibungslos und vor allem erfolgreich abgewickelt werden konnte, so war dies maßgeblich ein Verdienst von Hermann.

Hermann wird der Michael Gaismair Gesellschaft fehlen, in erster Linie aber seiner Familie. Und er wird Südtirol fehlen. Seine sozialwissenschaftliche Photographie der politischen Wirklichkeit, seine Analysen, seine kritische Stimme waren über Jahrzehnte gewinnbringende und erkenntnisreiche Begleitung im schnelllebigen Alltag, gaben Orientierung und Halt.

Die Michael Gaismair Gesellschaft wird Hermann immer in bester Erinnerung behalten.

Der Vorsitzende
Josef Prackwieser

Der Ehrenvorsitzende
Günther Pallaver

Die Vorstandsmitglieder
Martha Verdorfer, Christian Troger, Leopold Steurer, Giorgio Mezzalira, Jakob Volgger.

Unserem Vorstandsmitglied und unserer Schriftführerin Brigitte Haas, die das Leben mit Hermann geteilt hat, gilt unser tief empfundenes Mitgefühl.